Altes Schulhaus

 

Das Anwesen Haßlocher Straße 2 ist ein einfacher Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert. Ursprünglich diente das Gebäude als reformiertes Schulhaus mit Lehrerwohnung. Damals gehörte noch die landwirtschaftliche Einrichtung dazu. Dies war das sogenannte Schulgut - erbaut 1769.

Bis es zu seinem Bau kam, hatte der damalige Pfarrer Johann Nikolaus Siebein hart dafür gerungen, denn das bisherige Schulhaus, das auf der nördlichen Seite des gleichen Grundstücks stand, dort wo heute das Sängerheim steht, war zu klein und auch baufällig geworden. Bereits 1766 hatte er einen Neubau beantragt. Die Gemeinde als Inhaberin des großen Fruchtzehnten, war zu jener Zeit nicht nur für den Sachbedarf von Kirche und Schule, sondern auch zur Leistung der Personalkosten für die Schulmeister verpflichtet. Zunächst weigerte die Gemeinde sich, da in den letzten Jahren bereits große Ausgaben für Kulturzwecke geleistet worden waren. Aber 1769 war es dann mit dem Neubau so weit.

Man errichtete das Schulhaus Ecke Sandgasse/Haßlocher Straße.

Lehrer Jakob Baumann berichtet in seiner "Geschichte der evangelischen Schule in Iggelheim" aus dem Jahr 1937, dass dazu ein Haus verwendet wurde, welches in geringer Entfernung unter den letzten Häusern des Unterdorfes gestanden war. Mit dieser Aussage war wohl das Gebälk des Vorgängerbaus gemeint.

Anfänglich umfasste der Neubau der Schule lediglich einen Saal und eine Lehrerwohnung. Wegen Schulraummangels musste das Gebäude 1816 erweitert werden. Die mit der Schule verbunden gewesene Lehrerwohnung wurde mit dem Schulsaal zu einem großen Raum vereinigt. Eine neue Lehrerwohnung an der Westseite es Gebäudes in Richtung Hassloch wurde neu angebaut.

Dieser räumliche Zustand besteht noch heute und wird als historischer Schulraum mit der Ausstellung "Schule in der Vergangenheit" genutzt.

Eine weitere bauliche Veränderung war 1874 notwendig geworden, als der Lehrsaal um 25 cm tiefer gelegt werden musste. Das machte auch die Höhenversetzung der Tür erforderlich. Die Schulbänke, damals amtlich als Subsellien bezeichnet, wurden verkürzt, damit sie so gestellt werden konnten, dass die Schüler alle nach dem Lehrer sehen konnten, was vorher nicht möglich.

Wie lange die Volksschule darin untergebracht war, kann nicht mehr genau festgestellt werden. Der Zeitpunkt könnte zwischen 1908 und 1911 gewesen sein, denn nach einem Visitationsbericht vom 14. August 1908 inspizierte der königliche Kreisschulinspektor Roth die Klassen 5, 6 und 7 des Lehrers Georg Mauer - noch im oberen protestantischen Schulhaus.

Für den 25. August 1911 ist nachweisbar, dass die Gemeinde Iggelheim den Saal dem evangelischen Pflegeverein auf 5 Jahre für die Kleinkinderschule überlassen hat. Die frühere Lehrerwohnung im hinteren Teil des Gebäudes vermietete die Gemeinde als Wohnung.

 Altes Schulhaus

Die Schulraumnot im Jahre 1937 machte es dann erforderlich, die Räume mit Zustimmung der Regierung der Pfalz in Speyer vom 3. November 1937, wieder in einen schulischen Zustand zu versetzen.

Ab 1934 hatte die Geschäftsstelle für die Untergliederungen der NSDAP dort ebenso ihren Sitz wie 1934-37 eine Gruppe der Hitlerjugend. Im Oktober 1939 gab es eine Einquartierung für deutsches Militär und später Raum für französische Kriegsgefangene.

Bei der bestehenden großen Wohnungsnot direkt nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 60er Jahre war das Gebäude ständig mit zivilen Mietern belegt. Bis 1987 brachte die Gemeinde dort zwangsgeräumte Mieter unter welche danach Unterkunft in der Flakhalle fanden.

1987 überließ die Gemeinde zunächst die vorderen Räume dem Heimatpflege- und Museumsverein zur Eröffnung eines zweiten Museums, insbesondere um eine als Schenkung empfangene besondere Porzellansammlung präsentieren zu können, welche im Museum Altes Rathaus keinen Platz gefunden hätte.

Nach umfangreicher Renovierung durch die Gemeinde konnte das Museum 1992 eröffnet werden. Der Zimmerbodens im Erdgeschoß wurde hierbei wieder auf das ursprüngliche Niveau angehoben.

1998 stellte die Gemeinde schließlich auch die hinteren Räume, bisher noch als Wohnung genutzt, dem Verein zur Verfügung. Damit konnten ein weiterer Ausstellungsraum und Archivräume geschaffen werden.

Das Erdgeschoß ist seither aufgeteilt in zwei Ausstellungsräume, einen Büroraum, einen Archivraum sowie Sanitärräume.

Im Dachgeschoß befindet sich ein großer Ausstellungsraum sowie Lagerräume als Depot für nicht ausgestellte Museumsstücke.

In den Jahren 1998/1999 wurde die Renovierung der zum Schulgebäude gehörenden Scheune aus dem Jahre 1808 durchgeführt, wozu der Verein einen wesentlichen Beitrag aus der Stiftung Bednorz einbrachte.

Eine Holztreppe ermöglicht die Erschließung und Nutzung des Obergeschosses.