>

Sterbeurkunde von Johann Adam Sieber

8.)    Im Jahre tausend acht hundert zwölf, den 15. Februar um 9 Uhr
        des morgens vor uns Franz Becker, Bürgermeister und
        Civil-Standesbeamter der Gemeinde Iggelheim, gleiche Bürgermeisterei, Canton
        von Mutterstadt, Kreis Speyer, Departement Donnersberg, sind erschienen
        Melchior Jann, katholischer Religion, im Alter von 32 Jahren,
    

    wohnhaft in Iggelheim, und Johann Denner, Schulmeister,
        der gleichen Religion, im Alter von 51 Jahren, wohnhaft
        in der genannten Gemeinde                                 Freund des Verstorbenen,
        die uns erklären, dass am 15. des laufenden Monats Februar
        um 6 Uhr am Morgen, Johann Adam Sieber,
        Steuerdirektor und Ehrenbürger der Gemeinde
        Iggelheim und Schifferstadt                                       von Beruf
        Gastwirt und Kaufmann für Lebensmittel im Einzelhandel, Alter 49
        Jahre, geboren in Hassloch, wohnhaft in Iggelheim, Ehegatte
        von Marie Elisabethe, geborene Juliano, geboren in Hassloch, und Sohn
        von seinem verstorbenen Vater Jacob Sieber                     Gastwirt und
        Zöllner vom alten Regime der Pfalz und der verstorbenen
        Ehegattin Catherine Barbara, geborene Bergtold,
        ist verstorben den 15. des Monats Februar um 6 Uhr
        des Morgens im Haus Nr. 50 Hauptstraße, 1. Sektion,
        und haben die Erklärung als Zeugen mit uns gegenwärtige Akte
        nach Vorlesung unterschrieben.   


              Melchior Jann                  Jean Denner             Becker, Maire

 

Agent V. Lützel

Als auf den Neujahrstag 1798 der letzte Schultheiß abgesetzt war, wurde der Gemeinde  aufgetragen, einen „Maire“ (Bürgermeister) zu wählen. Der Besatzungsmacht konnte man sich zwar nicht erwehren, aber man trat in den passiven Widerstand. Die Bürger wählten einfach nicht. Darauf hin setzten die Besatzer einfach einen Fremden in dieses Amt (Friedrich Diehl aus Hassloch), dem die Gemeinde auch noch täglich 3 Gulden zahlen musste.
Schließlich fügten sich die Iggelheimer dieser Anordnung und wählten Valentin Lützel, der sich „Agent“ nannte.  
Dieser vertrat aber nicht lange die Interessen der Gemeinde.

Ein Auswandererschicksal

von: Reinhold Schneider

Von dem nach Amerika ausgewanderten Ludwig Korn, geboren am 22. November 1863, Metzger, der wegen „Jugendthorheiten“, wie er sagt, seine Heimat verlassen hatte, sind einige Briefe erhalten geblieben. Ausführlich schildert er in seinem ersten Brief vom 28. Februar 1886 an seinen Vetter (?) die Überfahrt, den wir hier teilweise im Original wiedergeben: „Wie Du weißt bin ich Mittwochs den 12ten März1) eingeschifft worden. Von Anfangs ging die Fahrt sehr gut bis zum fünften Tage, dann fing es an zu stürmen. Am siebten Tag wurde der Sturm zu einem Orkan. Das große schwere Schiff wurde herumgeworfen wie eine Nußschahle. Als der Sturm sich etwas legte bekamen wier einen Nebel so dicht daß man kaum auf zehn Schritte sehen konnte. Die Ursache davon war daß das Schiff eine Nacht nicht fahren konnte weil man sonst befürchte mußte mit einem andern Schiff zusammen zu stoßen. Den zweitletzten Tag bekamen wir helles kaltes Wetter und je mehr wier uns Amerika näherten desto kälter wurde es. Morgens den 22ten März sahen wier Land aber es wehte ein so scharfer Wind daß wir uns gleich wieder in unser warmes Zwischendeck flüchteten. Das Wasser welches der Wind aufs Verdeck peitschte fror sofort an die Tauen, die Schiffsleitern sogar der Hauptmast war mit halbfuß dickem Eis bedeckt. Auf dem Verdeck lag das Eis schuhdick. Mittags wurden wir in Hoboocken ausgeschifft und dann wurden wir von einem kleinen Dampfer abgeholt und nach dem Castelgarten gefahren. Vom Castelgarten aus ging ich mit einem andern Deutschen nach der badischen Heimath ein kleines Hotel in New York.“
Bevor er zur Familie seines Onkel Hans weiterfuhr, schaute er sich 4 Tage die Sehenswürdigkeiten New Yorks an. „Insbesondere die große Broockliener Brücke welche eine halbe Stunde lang ist 2). Auch besuchte ich den Zirkus welcher der größte der Welt ist“.
Die Fahrt nach Cincinati dauerte ein Tag und zwei Nächte.

Die Iggelheimer Gemeinderechnung aus dem Jahre 1618, bei Ausbruch des 30-jährigen Krieges

Im Jahre 1618 genügten gerade 23 Seiten um die Gemeinderechnung 1617/18 ausreichend zu präsentieren. Der ehrsame Hannß Bechtoldt Zickgrannfft und Hanß Drößler der Junge, beide als Dorfmeister erwählt, hatten diese Aufgabe übernommen.
Iggelheim zählte damals etwa 350 Einwohner. Als Schultheiß amtierte Ludwig Straub.
Ein Rechnungsjahr begann am Martini (11. November) und endete zum selben Zeitpunkt ein Jahr später. Die Dorfmeister waren den heutigen Kassenverwaltern (Einnehmer) gleichzustellen.
Eingangs erwähnt, dass der Gulden  zu 20 alter Schillingpfennigen gerechnet wird. Sie ist übrigens die älteste Gemeinderechnung, die über einen Gemeindehaushalt Iggelheims aus jener Zeit Auskunft geben kann.
Obwohl es das erste Jahr des Dreißigjährigen Krieges war, sagen die Eintragungen noch nichts über diese schwere Zeit aus. Es fielen lediglich die Ausgaben von zwei Gulden an, die der Barche(n)t* kostete, den die Soldaten „zu verschießen“ erhielten. Um welche Soldaten es sich handelte und welchen Grund es zum Schießen gab, kann leider nicht mehr nachvollzogen werden, da es sich bei dieser Gemeinderechnung um ein Rechnungsdoppel handelt, dem die entsprechenden Belege fehlen. Alle anderen Buchungen waren die üblichen Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde Iggelheim in jener Zeit. So betrugen die Gesamteinnahmen 103 Gulden und 2 Schillinge und die Gesamtausgaben 85 Gulden 13 Schillinge und 10 Pfennig. Den Überschuss übernahmen die nächsten Dorfmeister, die jährlich wechselten.
In der Regel wurde eine Gemeinderechnung im folgenden Jahr „abgehört“  (geprüft) und bestätigt. An dieser Rechnung fällt jedoch auf, dass dies erst am 2. September 1626 durch die beiden Faute  J.Stephan Andrae (Pfalzfaut) und Eberhard Wolfgang Heimberger (leiningischer Faut)  geschah, was mit den damaligen unruhigen Kriegszeiten zusammenhängen konnte.

In alten Akten geblättert: Pfarrer Pfaff

Immer wieder stößt man auf interessantes Schriftgut dessen Inhalt noch nicht bekannt war. So gibt die Gemeinderechnung 1681/82, die im Gemeindearchiv Haßloch verwahrt wird, preis, dass damals, nachdem der reformierte Pfarrer Franziskus M. Bernhardi von Iggelheim nach Dexherim im Rheinhessischen wechselte und die Pfarrstelle einige Zeit unbesetzt war, dieses Amt der Pfarrer aus Meckenheim im Nebenamt führte. Es wird nämlich in der Rechnung unter „Außgaab Habern“ erwähnt, als die Gemeinde 7 Simmern Hafer als Futter für sein Pferd verbuchte, mit dem er von Meckenheim nach Iggelheim geritten war.
Auch unter dem Titel „Zehrung“ wird er mehrmals genannt, weil er nach abendlichen Predigten in Iggelheim übernachtete und diese Kosten von der Gemeinde getragen wurden. Der Pfarrer hieß Johann Wilhelm Pfaff versah sein Amt in Meckenheim von 1678 bis 1708.

von: Reinhold Schneider

Seite 1 von 2