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In alten Akten geblättert: Ein Vogelleben

Die Überschrift, die der damalige reformierte Pfarrer Karl Otto August Thelemann in Iggelheim zu diesem historischen Roman gewählt hatte, irritiert. Glaubt doch der Leser, es handele sich um eine Tiergeschichte. Mitnichten – Thelemann schrieb unter dem Titel „Erzählungen aus der Pfalz“ vier Geschichten, darunter auch diese Familiengeschichte aus Böhl.
Er erzählt darin die Lebensgeschichte des Valtin Vogel, der in Billigheim geboren, sich später als Handlanger verdingte, nach dem Tod der Eltern auf Wanderschaft ging, in Böhl bei dem Steinmetzen Bummel sesshaft wurde, eine Familie gründete und von der Hand in den Mund lebte.
Als Vogel 1857 mit 76 Jahren starb, erinnerte sich Thelemann, der den erkrankten Böhler Pfarrer Heinrich Theodor Chelius bei der Beerdigung vertreten musste, an das schicksalhafte Leben des Verstorbenen. Thelemann war in den Jahren 1851/52 Pfarrer in Billigheim.
Die Broschüre „Ein Vogelleben“ (15 Seiten) kann beim Heimat- und Museumsverein Böhl-Iggelheim zum Preis von 1 Euro erworben werden.

In alten Akten geblättert: Vom Schreiner zum Lehrer

Ein aufschlussreicher Eintrag befindet sich in der Gemeinderechnung 1694. Darin gibt die Gemeinde einen Gulden für „Zehrung“ aus (das wird wohl eher für Getränke gewesen sein!)als Schultheiß, Bürgermeister, Hanß Wendel Lützel, Philipp Reinhard Reichard, Georg Bapst und Christoph Lützel
Hergets Name erscheint in dieser Rechnung noch zwei mal, nämlich unterm 17. xbris (Dezember) 1694, da man ihm 1 Malter 4 Simmern Welschkorn als Besoldung lieferte. Er bekam auch kein Geld für seine „unterschiedlichen Arbeiten am Schulhauß sowie für Nägel, so er darzu geben, wie auch für das Hürtenhauß gemacht“. Dafür zahlte die Gemeinde dem „Schreiner“ Lorentz Herget 3 ½ Simmern Welschkorn. 1694 besaß die Gemeinde kein Geld mehr, weil die Franzosen für ihr Winterquartier und für Fourage ihre Kontributionen eintrieben.
Herget besaß damals ein Haus in der Langgasse (heute Haus-Nr. 44/46)

von: Reinhold Schneider

In alten Akten geblättert: Vom „Zehnten“.

Wer kennt nicht die Bergruine Neuscharfeneck auf dem Wanderweg zum Pfälzerwaldhaus „Landauer Hütte“? Von den früheren Besitzern der Burg kam die Herrschaft durch Heirat auf das Geschlecht derer „von Metz“, von denen schon im Jahre
1196 Volmarus de Metze in einer zu Worms ausgestellten Urkunde vorkommt
1212 tritt der Bischof von Metz als Besitzer auf
1214 werden die Brüder Konrad und Berthold in einer Höninger und
1226 Berthold und Gottfried in einer Haner Urkunde sowie
1250 Heinrich von Scharfeneck in einer Urkunde über Güter zu Dammheim genannt
Berthold und Godelmann, Brüder von Metz, bezeugen 1256 zwei Urkunden  über den Verkauf  des Zehnten zu  B ö h l  und eines Hofes daselbst.
1292 erscheint ein Ritter Heinrich von Scharfeneck in einer Eußerthaler Urkunde, wonach er vom Kloster Weißenburg Güter und Gefälle unter anderem auch von  I g g e l h e i m  zu Lehen hatte.
Das bekräftigt auch die Behauptung, dass Iggelheimer Bauern mehrmals im Jahr ins Tal der Queich fahren mussten, um dieser Herrschaft den Zehnten in Form von Feldfrüchten als Steuern abzuliefern.
 
Quelle: Peter Gärtner, „Geschichte der bayerisch rheinpfälzischen Schlösser“, 1973.

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