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Museum „Altes Rathaus“

Gebäude

Das Schmuckstück und Wahrzeichen des Dorfes Iggelheim ist zweifelsohne das alte Rathaus. Erbau wurde es, wie die eingemeißelte Jahreszahl auf dem rechten Pfeiler des ersten Bogenfensters auf der Südseite belegt, Anno 1569, zu einer Zeit, als sich das Dorf noch Ygelheim schrieb und ungefähr 300  Einwohner zählte. Der damalige Schultheiß des Ortes könnte der im reformierten Kirchenbuch von 1572 genannte Hans Baltz gewesen sein.

Errichtet wurde das Gebäude als Eckhaus an der Stelle, wo sich die damalige Böhl- und Buschgasse mit dem Oberdorf und Unterdorf kreuzen. Das Erdgeschoß des Renaissancebaues ist eine Laubenhalle mit einem Bogentor an der Südseite und je zwei Bogenfenstern an der Süd- und Ostseite, sowie einem Bogenfenster und drei rechteckigen Fenstern an der Nordseite. In der Laubenhalle sollen in der damaligen Zeit die öffentlichen Gerichtssitzungen abgehalten worden sein. Ebenerdig liegt die Betzenkammer, das ehemalige Ortsgefängnis, das sich unter der Treppe befindet und durch eine separate Tür betreten werden kann.

Über die achtzehnstufige Sandsteintreppe auf der Westseite gelangt man ins Obergeschoß. Dies ist im Gegensatz zum Erdgeschoß im Fachwerkstil errichtet.

Das Glockentürmchen dürfte möglicherweise schon in seiner Erbauungszeit das Gebäude geziert haben. Eine dendrochronologische Untersuchung im Jahr 1996 ergab, dass das Haus während seines Bestehens keine größeren Schäden erlitten haben kann.

Wie aus alten Verträgen und Gemeinderechnungen ersichtlich ist, wurden 1750 am Rathaus größere Renovierungsarbeiten vorgenommen. Das neue Türmchen für die Glocke errichtete damals der Haßlocher Zimmermeister Johannes Frick, als ein viereckiges Türmlein mit einer viereckenden Haube oder Kuppel.

Etwas vier Wochen nach Neujahr 1794 plünderten französische Voltigeurs und Chasseurs das Dorf, nahmen die Kirchenglocken und vermutlich auch die Rathausglocke mit, den 1810 musste eine neue Glocke angeschafft werden.

 

 

 

 

 

 

Zur Geschichte dieser Glocke

 

Sie trägt die Inschrift:

Mich gos Friedrich Brechdel in Speier 18910 Frantz Joseph Becker, Maire Adam Sieber Einnehmer, Philipp Müller, Grefier, Gemeinte Igelheim – Napoleon“.

Dass diese Glocke auch heute noch an ihrem Platz hängt, verdankt sie wohl nur mehreren glücklichen Umständen. Im Kriegsjahr 1942 musste die Glocke abgeliefert werden. Man wollte sie einschmelzen. Sie wurde vom Turm geholt, nach Speyer verfrachtet und bei der Uhrenfabrik Porth gelagert. Noch am Tage des Abtransports schrieb der damalige Ortsgruppenleiter der NSDAP, Michael Postel, an den Direktor des Historischen Museums der Pfalz und wies auf den kulturellen Wert der Glocke hin. Man brachte sie daraufhin in das Historische Museum in Speyer, wo sie vor dem Einschmelzen bewahrt blieb. 1945 fand sie wieder ihren Weg zurück in das Türmchen des Alten Rathauses in Iggelheim.

 

 

Die letzte Renovierung erfuhr das Gebäude 2001 als die Gemeinde die gesprungene und herunter zu fallen drohende Decke im Obergeschoss erneuerte. Damit einher ging eine gründliche Überholung des ganzen Gebäudes.

 

 

Zur Rathausuhr

 

Im Dachgeschoss ist die dort heute noch in Betrieb befindliche Rathausuhr.

„ES WURDE DIESE WER VERRICHTET VON JOHANN PAUL KÖRBER in DÜRKHEIM ANNO 1775“, hat der Hersteller in den Rahmen eingehämmert. Sie ist eine Pendeluhr in handgeschmiedetem Eisengestell. Das Pendel besitzt eine regulierbare Bleilinse und als Schlegel dient ein Kupferhammer. 1,40m misst das Zifferblatt im Durchmesser. Die beiden handgeschmiedeten Zeiger sind mit Blattgoldvergoldet. Die Uhr muss täglich aufgezogen werden. Als Laufgewicht dienen zwei große Sandsteine.

 

 

Am 6. Dezember 1956 gründeten interessierte Bürger den Heimatpflege- und Museumsverein Iggelheim. Am 2.November 1957 war es dann soweit, dass das Museum des Vereins im Alten Rathaus von Iggelheim der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte.

 

 

Auszug aus einem Text von: Reinhold Schneider